Bildnis des Archidiakons
Julius Gottfried von Aeminga

Bildnis des Archidiakons

Magister Julius Gottfried von Aeminga
geb. 14. Mai 1715 - gest. 01. Sept. 1799

Ölgemälde auf Leinwand, 0,80 x 0,65 m, um 1800, mit Inschrift auf dem Bild:

Julius Gottfr. v. Aeminga / Vormittagsprediger und / Archidiacon an dieser Kirche / vom Jahr 1748 bis zum 7. Februar 1789. / Der Kirche gestiftet von D. H. Biederstedt.

Aeminga stammte aus einer friesischen Familie, sein Vater war Pastor in Möllen in Mecklenburg. Er besuchte das Gymnasium in Brandenburg und Güstrow, studierte ab 1732 in Greifswald, promovierte 1739 zum Magister und hielt Kollegien in Philosophie und Mathematik. Aeminga wurde 1746 Diakon, 1749 Archidiakon am Dom St. Nikolai und blieb dies 40 Jahre, bis er 1789 mit 74 Jahren in den Ruhestand ging. Er begründete ein Universitäts- und Predigerstipendium, starb 1799 und wurde im Dom begraben. Seine Grabplatte ist nicht identifizierbar, da es 2 Grabplatten mit den Initialen „I.G. v. AE.“ ohne Jahresangaben gibt. Das Bild wurde von seinem Amtsnachfolger gestiftet.

Anbetung der Könige
Anbetung der Könige

Anbetung der Könige

Ölgemälde auf Leinwand, 1,55 x 1,37 m, Anfang des 17. Jahrhunderts, Maler unbekannt.

Wenige Wochen nach Jesu Geburt kamen drei Weise - Sterndeuter - nach Jerusalem zu König Herodes, um dem neugeborenen Königskind zu huldigen, dessen Geburt ihnen ein Stern angezeigt hatte. Da Herodes aber von keinem Königsohn wußte, zogen sie weiter dem Stern nach und kamen nach Bethlehem, wo sie den neugeborenen Heiland in einem Stall in einer Futterkrippe fanden. (Matthäus 2. Kap. Vers 1 - 12).

In der späteren christlichen Legendenbildung wurden aus diesen weisen Männern die „Heiligen Drei Könige“ bzw. die „Heiligen aus dem Morgenland“ und bekamen die Namen Kaspar, Melchior und Balthasar. Die Christen feiern heute noch am 6. Januar, dem Epiphaniastag, den Tag der Heiligen Drei Könige.

Anbetung der Könige
Anbetung der Könige

Bildnis des Generalsuperintendenten Augustin Balthasar

geb. 23. Sept. 1632 - gest. 1688

Ölgemälde auf Leinwand, ca. 2,00 x 0,98 m, Ende 17. Jahrhundert.

Rahmen und Tafel zur Zeit nicht ausgestellt: Eine ca. 1,30 x 1,60 m große Schrifttafel mit lateinischem Text über Lebensweg und Verdienste Balthasars. Der reich verzierte zeitgenössische Doppelrahmen mit gedrehten Säulen enthält oben das von zwei Engelsgestalten gehaltene balthasarsche Wappen.

Die Inschrift in dem aufgeschlagenen Buch ist das Psalmwort „Denn Deine Gnad ist mein Trost, errette mich“ (Psalm 109/21).

Augustin Balthasar wurde in Anklam geboren, besuchte dort die Schule und studierte zunächst in Greifswald, dann in Wittenberg Theologie und Philosophie. 1656 promovierte er zum Magister und wurde bald darauf Professor für Logik und Metaphysik in Greifswald. Im Jahr 1659 wurde er als Diakon nach St. Nikolai Stralsund berufen, 1664 erhielt er dort das Pastorat an St. Jacobi. 1670 promoviert er zum Doktor der Theologie. 1680 wurde er nach Greifswald zum Generalsuperintendenten und ersten Professor der Theologie berufen.

Bildnis des Konsistorialrates und Archidiakons  Dietrich Hermann Biederstedt
Bildnis des Konsistorialrates und Archidiakons Dietrich Hermann Biederstedt

Bildnis des Konsistorialrates und Archidiakons Dietrich Hermann Biederstedt

geb. 1. Nov. 1762 - gest. 10. März 1824

Ölgemälde auf Leinwand, 0,77 x 0,62 m von Wilhelm Titel, Greifswald, 1824.

Biederstedt wurde als erstes von insges. 9 Kindern des Stralsunder Müllers am Kniepertor geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Stralsund studierte er in Göttingen von 1783 bis 1786 Theologie, mußte aber aufgrund einer schweren Erkrankung seines Vaters nach Stralsund zurückkehren und beendete sein Studium in Greifswald. 1789 macht er sein zweites theol. Examen, wurde ordiniert und erhielt die Stelle des Archidiakons am Dom St. Nikolai, da sein Amtsvorgänger von Aeminga aus Alters- und Gesundheitsgründen in den Ruhestand getreten war. 1805 verlieh ihm die theol. Fakultät der Universität Göttingen den Ehrendoktortitel, 1811 wurde er zum Konsistorialrat ernannt.

Biederstedt war unverheiratet und bewohnte das Pfarrhaus Domstr. 13, das er teilweise untervermietete, da es ihm zu groß war.

Er unterhielt einen regen Briefwechsel mit vielen Gelehrten Deutschlands, war ein berühmter, wenngleich auch umstrittener Prediger. Kosegarten bezeichnete ihn als „berühmtesten Kanzelredner des Landes“ und in einem Nachruf heißt es: „Er predigte mit Herzlichkeit und Begeisterung, doch auch mit zu großer Wortfülle und Kunst“. 1812 mußte er die „Siegesdankpredigt“ für den Einzug Napoleons in Moskau halten, die aber nicht erhalten ist, da er testamentarisch verfügte, alle seine Konzepte und Briefe mit in seinen Sarg zu legen.

Seine bekanntesten Veröffentlichungen waren: 1808 die „Geschichte der Nikolaikirche“, 1812 „Denkwürdigkeiten der Nikolaikirche“und 1818 „Beiträge zu einer Geschichte der Kirchen und Prediger in Neuvorpommern“. Biederstedt verstarb am 10. März 1824 an den Folgen einer Atemwegserkrankung im Alter von 62 Jahren. Das für die Darstellung eines Pfarrers etwas ungewöhnliche weiße Tuch ist in dem chronischen Augenleiden begründet, das Biederstedt plagte und ihn zwang, ständig ein Wischtuch bei sich zu führen.

Biederstedt stiftete der Nikolaikirche das Bild von J. G. von Aeminga

Bildnis des Archidiakons Magister Martin Bartke
Bildnis des Archidiakons Magister Martin Bartke

Bildnis des Archidiakons Magister Martin Bartke

geb. im Okt. 1559 - gest. 7. Juni 1623

Ölgemälde auf Leinwand, 1,10 X 0,85 m, von unbekanntem Maler, 1619, in zeitgenössischem doppeltem Rahmen mit Pilastern und Rankenwerk und am oberen Gesims aufgemalter Inschrift und Inschrift auf dem Bild.

Magister Martin Bartke, wurde in Köslin geboren, hatte in Rostock studiert und war Rektor im mecklenburgischen Friedland geworden. 1599 wurde er zum Archidiakon am Dom St. Nikolai berufen. Er war ein bedeutender Lehrer und berühmter Prediger seiner Zeit. Einige Druckschriften und Predigten sind in Greifswalder Bibliotheken noch heute vorhanden.

Inschrift auf dem Bild links oben: „Aetatis sua 60 / Ano 1619“

Der Holzrahmen des Bildnisses ist zur Zeit nicht am Bild angebracht.
Lateinische Inschrift am Rahmen:
„M. Martinus Bartke ad annos XXV in hoc templo Archidiakonus fidenissimus obiit Anno Christi 1623 priche Trinitatis aetatis vero 68“

Bildnis des Pastors an St. Marien Magister Georg Brockmann
Bildnis des Pastors an St. Marien Magister Georg Brockmann

Bildnis des Pastors an St. Marien Magister Georg Brockmann

geb. 17. März 1723 - gest. 9. Dez. 1800

Brockmann wurde in Greifswald geboren, studierte hier ab 1739, wechselte 1745 nach Halle, wo er 1748 zum Magister promovierte. Er war 1749 bis 1776 Diakon am Dom St. Nikolai,1775 wurde er Bakkalaurus der Theologie. Von 1776 bis zu seinem Tode im Jahre 1800 war er Pastor an St. Marien und Professor der Theologie an der Universität. Von 1788 bis 1790 verwaltete er die vakante Generalsuperintendentur. Ein großes Epitaph Brockmanns befindet sich in der Marienkirche.

Stifterbild Familie Christiani
Stifterbild Familie Christiani

Stifterbild Familie Christiani

Ölgemälde auf Holz, ca. 0,55 x 1,30 m, Anf. 17. Jahrh.

Das Stifterbild der Familie Christiani gehört zu den beiden neutestamentlichen Darstellungen „Hochzeit zu Kana“ und „Anbetung der Könige“, die von Alexander Christiani oder seinen Erben zum Andenken an ihn gestiftet wurden.
Dargestellt sind Alexander Christiani mit seinen beiden Frauen (Elise Völschow, gest. 1630 und Christine Tessin), einer Tochter sowie vier lebenden und fünf verstorbenen Söhnen, anbetend vor einem Kruzifix.

Christiani wurde am 19. Febr. 1587 in Demmin geboren, studierte in Greifswald und Wittenberg Theologie und promovierte 1613 in Greifswald zum Magister. Er unternahm noch mehrere Studienreisen an verschiedene deutsche Universitäten und wurde 1618 in Greifswald Professor für Mathematik, Logik und Metaphysik sowie Astronomie. 1626 wurde er Archidiakon am Dom St. Nikolai, starb 1637, wurde aber in der Jakobikirche begraben, wo ihm auch 1640 dieses Epitaph gesetzt wurde. Durch die napoleonische Besetzung (1808) wurde es jedoch fast zerstört, kam dann nach der Wiederherstellung (1812) in den Dom. Die zu dem Epitaph gehörende lateinische Schrifttafel ging allerdings verloren. Eine Grabplatte der Fam. Christiani von 1866 befindet sich im südl. Seitenschiff in der Nähe der Bürgermeisterkapelle.

Bildnis des Superintendenten Dr. Johann Christian Friedrich Finelius
Bildnis des Superintendenten Dr. Johann Christian Friedrich Finelius

Bildnis des Superintendenten Dr. Johann Christian Friedrich Finelius

geb. 5. Jan. 1787 - gest. 22. Dez. 1846

Ölgemälde auf Leinwand, 0,92 x 0,79 m von Johann Gottlieb Giese, Greifswalder Maler und Architekt, 1820

Finelius war gebürtiger Greifswalder, sein Vater war Kantor und Gymnasiallehrer. Finelius besuchte in Greifswald die Schule und begann hier auch 1804 sein Studium; zunächst Jura, dann Theologie. 1809 wechselte er nach Göttingen und kam nach Abschluß seiner Studien nach Greifswald zurück. Er war von 1811 bis 1824 Diakon (Inhaber der 2. Pfarrstelle) und von 1824 - 1846 Archidiakon (Inhaber der 1. Pfarrstelle) am Dom St. Nikolai. Von 1837 bis zu seinem Tode 1846 war er auch Stadtsuperintendent. Gleichzeitig lehrte er - zunächst als Privatdozent, später als ordentlicher Professor - an der theologischen Fakultät der Universität.

In die Amtszeit von Finelius fällt die neugotische Umgestaltung des Greifswalder Domes von 1824 bis 33 nach der Napoleonischen Besetzung und den Befreiungskriegen (1806 - 1815) durch den Greifswalder Architekten und Maler Johann Gottlieb Giese und den Kunsttischler Christian Friedrich, Bruder von Caspar David Friedrich.
Gieses Porträt von Finelius mit den fiktiven typisch neugotischen Architektur- und Schmuckelementen im Hintergrund entstand ca. 4 Jahre vor der Umgestaltung des Domes und trägt somit programmatischen Charakter.

Bildnis des Ratsherrn Hieronymus Hannemann
Bildnis des Ratsherrn Hieronymus Hannemann

Bildnis des Ratsherrn Hieronymus Hannemann

geb. 1610 - gest. 1660

Ölgemälde auf Leinwand, 0,90 x 0,74 m, Mitte des 17. Jahrhunderts von unbekanntem Maler in niederländischem Stil, an Bartholomäus van der Helst erinnernd.

Bildnis des Pastors Prof. Dr. Johann Christian Adolf Hasert
Bildnis des Pastors Prof. Dr. Johann Christian Adolf Hasert

Bildnis des Pastors Prof. Dr. Johann Christian Adolf Hasert

geb. 03. Juni 1795 - gest. 23. Dez. 1864

Ölgemälde auf Leinwand, 1,15 m x 0,80 m, von J. Günther, 1865

Hasert stammte aus Stralsund, besuchte dort die Schule, studierte ab 1815 in Greifswald und wechselte 1817 nach Halle. Ab 1818 arbeitet er als Hauslehrer in der Umgebung von Greifswald und machte 1821 das erste, 1823 das zweite. theol. Examen. Er wurde 1824 Diakon an St. Nikolai (2. Dompfarrer), 1848 bis zu seinem Tode 1864 Archidiakon (1. Dompfarrer). Er promovierte 1824 zum Dr. phil, lehrte ab 1837 als Professor Philosophie und Pädagogik an der Universität und hatte die Leitung des Landschullehrerseminars. 1856 verlieh ihm die theologische Fakultät die Ehrendoktorwürde.

Hasert bewohnte als erster Dompfarrer das nach 1816 neu gebaute Pfarrhaus in der Domstraße 54. Er starb am 23. Dez. 1864.

Die Hochzeit zu Kana
Die Hochzeit zu Kana

Die Hochzeit zu Kana

Ölgemälde auf Leinwand, 1,55 x 1,37 m, Anfang des 17. Jahrhunderts, Maler unbekannt.

Auf einer Hochzeit in Kana in Galiläa, zu der Jesus mit seiner Mutter und seinen Jüngern geladen war, tut Jesus sein erstes Wunder, indem er Wasser in Wein verwandelt. Der Evangelist Johannes berichtet (2. Kap. Vers 1 - 12), daß der Hochzeitsgesellschaft der Wein ausgegangen war und Maria, die Mutter Jesu bittet ihn, den Gastgebern zu helfen. Jesus ließ sechs Wasserkrüge mit Wasser füllen und eine Probe davon dem Festmeister bringen. Als dieser kostete, war das Wasser zu Wein geworden und er war besser, als der Wein, der zuvor ausgeschenkt worden war.

Gestiftet von Alexander Christiani

Der Kindermord zu Bethlehem
Der Kindermord zu Bethlehem

Der Kindermord zu Bethlehem

Ölgemälde auf Leinwand, 0,60 x 0,90 m, unbekannter Maler, 18. Jahrhundert, im Stil der niederländischen Romanisten mit Rokkokorahmen.

König Herodes hatte in Jerusalem durch die Sterndeutern aus dem Morgenland von der Geburt eines neuen Königs für das jüdische Volk Kenntnis bekommen. Um Genaueres zu erfahren, hatte er sie gebeten, ihm auf ihrem Rückweg zu berichten. Gott befahl aber im Traum den drei Weisen, nicht wieder zu Herodes zu gehen, denn dieser plante Böses.
Um seine Macht zu sichern, ließ nun König Herodes durch seine Soldaten alle neugeborenen und kleinen Kinder in Bethlehem ermorden.
Maria und Joseph waren mit dem Jesuskind aber bereits nach Ägypten geflohen, da Joseph im Traum ein Engel erschienen war, der ihn gewarnt hatte (Matthäus, Kap. 2 Vers 13 - 18).

Bildnis des Kunsttischlers Paul Lucht
Bildnis des Kunsttischlers Paul Lucht

Bildnis des Kunsttischlers Paul Lucht

gest. 1653

Ölgemälde auf Leinwand, auf eine Holzplatte aufgezogen, 0,40 x 0,28 m, von unbekanntem Maler, Mitte 17. Jahrhundert.

Auffällig ist der aufwendig geschnitzte zeitgenössische Rahmen mit Zahnschnittfries und Hermen. Hermen (oben eine menschliche Gestalt, unten ein rechteckiger Schaft) waren in der Wiederaufnahme eines antiken Motivs seit dem 16. Jahrhundert beliebt.

Bildnis des Generalsuperintendenten Johann Friedrich Mayer
Bildnis des Generalsuperintendenten Johann Friedrich Mayer

Bildnis des Generalsuperintendenten Johann Friedrich Mayer

geb. 6. Dez. 1650 - gest. 30. März 1712

Ölgemälde auf Leinwand, 2,20 x 1,25 m, Anfang 18. Jahrhundert mit angehängter Inschriftentafel.

Mayer wurde am 6. Dez. 1650 in Leipzig geboren, sein Vater war Pastor an der Thomaskirche. Er studierte zunächst in Leipzig, später in Straßburg und Wittenberg. Bereits mit 16 Jahren errang er den akademischen Grad des Baccalaureus, mit 18 den des Magisters der Philosophie. 1673 promovierte er zum Doktor der Theologie; er war damals Pastor und Superintendent in Leisnick. 1684 wurde er auf Luthers Lehrstuhl nach Wittenberg berufen. 1688 wechselte er nach St. Jakobi in Hamburg, wo er durch seine Bekämpfung der Pietisten „berühmt und auch berüchtigt“ wurde; er hatte gleichzeitig eine Honorarprofessur in Kiel. 1701 wurde er nach anderen bereits erfolgten hohen Ehrungen zum schwedischen Oberkirchenrat und von Kaiser Leopold I. zum Pfalzgrafen ernannt. Ebenfalls 1701 wurde er als Generalsuperintendent nach Greifswald berufen. Mit diesem Amt verbunden war die 1. theologische Professur an der Universität, gleichzeitig war er Stadtsuperintendent und Präses des Konsistorialgerichtes.

Mayer war ein sehr streitbarer, aber ungewöhnlich gebildeter Gelehrter, der einen umfangreichen Briefwechsel mit Königen, Herzögen und Wissenschaftlern in ganz Europa unterhielt. Seine berühmte Bibliothek umfaßte 18 000 Bände und von seinen ca. 300 Schriften wurden 281 gedruckt. Er wohnte in der Domstr. 14.
Im Januar 1712 verließ er Greifswald aus politischen Gründen infolge des Nordischen Krieges und ging nach Stettin, wo er zwei Monate später, am 30. März verstarb.

Übersetzung der lateinischen Inschrift:
„Johann Friedrich Mayer, Doktor der Theologie, Comes Palatinus, seiner Majestät des schwedischen Königs geistlicher Rat in Deutschland. Nach manchen anderen Ämtern, so in Leipzig, Lisnia (?), Grimma, Wittenberg und Hamburg, wurde er 1701 hier in Greifswald Prediger, Professor an der Akademie, Kanzler der Pommerschen und Rügischen Kirche, Generalsuperintendent und Präses des Provinzialkonsistoriums. Geboren in Leipzig am 6. Dezember 1650. Gestorben in Stettin am 30. März 1712, wo die begrabenen Gebeine auf der Gerechten fröhliche Auferstehung warten.“

Johann Friedrich Mayer

6. Dezember 1650, Leipzig - 30. März 1712, Stettin

Der Vater war Pastor an der Thomaskirche in Leipzig. J.F. Mayer wurde am 6. Dezember 1650 geboren, war sehr begabt und studierte seit 1663 in Leipzig, mit 15 Baccalaureus, mit 17 Magister. 1668-1770 Studium in Straßburg in der Phil. Fakultät. Straßburg war neben Wittenberg und Leipzig die Hüterin der Hochorthodoxie. 1671 Baccalaureus der Theologie.

Tätigkeit als Pfarrer (1672-1684) in Leipzig, Leisnick und Grimma, 1673 Lic. Theol., 1674 Doktor der Theologie. Ablehnung des Rufes als Universitäts- und Stadtprediger in Jena, da ihn das Pfarramt nicht befriedigte.

1684 Berufung als Prof. auf Luthers Lehrstuhl in Wittenberg. Als er diese Berufung erhielt, rief er öfters aus „extra Academiam vivere est pessime vivere“. In seiner Antrittsvorlesung in dieser Hochburg der Orthodoxie kritisierte er das theol. Studium jener Zeit, indem er sagte, daß man über Gelehrsamkeit und Disputierkunst, Frömmigkeit und Tugend vernachlässige. Er stellte sogar Spener und sein Hauptwerk, die ‚pia desideria‘ als Muster hin, und auch in seinen Schriften zeigte er seine Verehrung für Spener. Dies wohl mehr auf ihn bezogen als auf den gesamten Pietismus, den er später scharf bekämpfte.

Gründe waren Speners Mitgliedschaft im Dresdner Oberkonsistorium, das über Mayers Ehescheidung (Mayer war mit einer Leipziger Professorentochter verheiratet, hatte 5 Kinder und die Ehe wurde dann geschieden) zu befinden hatte und die (dadurch) von Spener veranlaßte Übergehung Mayers bei der Besetzung von zwei Lehrstühlen in Wittenberg, um die sich Mayer jeweils beworben hatte. Hierdurch wechselte Myer von Verehrung zu „glühendem Haß und eifrigster Gegnerschaft“.

1684 Ruf an St. Jakobi, Hamburg, den er annahm, um aus Wittenberg fortzukommen. Daraufhin zogen viele Studenten fort oder kamen gar nicht erst hin, dies zeugt von großem Einfluß Mayers. Noch einmal verhinderte Spener eine Berufung nach Wittenberg. Eine andauernde Feindschaft war besiegelt. Aber auch seine Hochschätzung der wissenschaftlichen Ausbildung und das Konventikelwesen ließen ihn seine Meinung ändern. Seine Hamburger Tätigkeit ist wegen seiner Bekämpfung der Pietisten „berühmt und auch berüchtigt“.

Herzog Christian-Albert von Schleswig-Holstein übertrug ihm den Posten eines Oberkirchenrates von Holstein, weitere Ämter durch König Karl XI von Schweden sowie durch die Äbtissin von Quedlinburg.

König Karl XI. legte Mayer die Fürsorge und Wachsamkeit für die reine Lehre und heilsame Kirchendisziplin in Kirche, Universität und aller Schulen ans Herz. Besonders solle er auf die jetzt überhandnehmenden Schwärmereien achten und das Edikt vom gleichen Tage (16.11.1694) durchsetzen, das alle Privatzusammenkünfte und Konventikel sowie schwärmerischen Bücher verbot. In Hamburg war er sehr beliebt und hatte einen großen Zulauf.

Am 12.8.1701 nahm er die Generalsuperintendentur in Greifswald an, außerdem damit verbunden die erste theol. Professur, die Präpositur der Nikolaikirche oder die Stadtsuperintendentur, den Posten des Präses des Konsistorialgerichtes.

Sofort trat Mayer auch in Greifswald polemisierend gegen sog. pietistische Umtriebe auf. So verwarnte er Prof. theol. Gebhardi wegen „verdächtiger Schriften und Neuerungen“ und drohte ihm: „Noch wären sie Freunde, würde er sich aber mit ihm verfeinden, so dürfte kein Aufhören seines Zornes sein“.

Gebhardi wurde bald als „Neuling, Ketzer und Schwärmer“ angeklagt. So habe er das Meßgewand in St. Jacobi verändert, den Priesterstuhl und den Beichstuhl verändert (nehme die Beichte in der Sakristei ab), einer Frau beim Abendmahl zuerst den Kelch gereicht und predige nicht „methodisch“ und er habe gesagt, er wisse nicht, was ‚Pietisten‘ seien! Insgesamt teilweise grundlose, länger zurückliegende Sachen. Grundvorwurf: Pietist und keine eindeutige Abgrenzung und Verurteilung.
Gebhardi wurde verurteilt, protestierte und die Beschwerde wurde angenommen.
Gebhardi entgegnete, daß auch Mayer sich in seinen Predigten selten an die vorgeschriebenen Texte halte, höchst selten predige und sich von Studenten vertreten lasse und daß seine wenigen Predigten Widerwillen erregten, sogar in ausl. Zeitungen zitiert würden: „daß er früher Ochsen in Hamburg fand, aber die jetzt in Esel verwandelt wären“ (in einer engl. Zeitung).

Der Prozeß dauerte an, ernsthafte Beschuldigungen konnte Mayer nicht aufweisen. Der 1711 ausbrechende Nordische Krieg und der Tod Mayers ließen die Sache im Sande verlaufen.

Der Krieg hatte schreckliche Folgen für das Land. Am 31.8.1711 wurde Greifswald besetzt, die Universität als Proviantraum benutzt, Kollegien fanden in St. Jacobi statt. Der dänische und der polnische König waren im Dezember in Greifswald und besuchten Mayer, um seine berühmte, 18.000 Bände umfassende Bibliothek anzusehen. Dies war keine einfache Begegnung, da Mayer treuer schwedischer Untertan blieb und „ungeachtet der dauernden Anwesenheit der Feinde in Greifswald dennoch regelmäßig von der Kanzel das von der schwedischen Regierung vorgeschriebene Kriegsgebet sprach, worin es hieß, Gott möge den Feinden des Königs einen Ring in die Nase und ein Gebiß ins Maul legen, damit sie mit Schimpf den Weg zurückgehen mögen, den sie gekommen. Alle Ermahnungen und Vorstellungen der Kollegen, daß die Zeitverhältnisse den weiteren Gebrauch dieses Gebetes nicht mehr gestatteten, ließ er außer acht, ermahnte vielmehr alle Preidger zur gleichen Treue gegen den Landesherrn, bis der russische General Buck, der im Januar 1712 mit moskovitischen Regimentern in Greifswald eingerückt war, den weiteren öffent¬lichen Gebrauch desselben verbot. Da Mayer einsah, daß er sich gegen die militärische feindliche Macht und ihre Drohungen nicht auflehnen könne, außerdem sein Gesundheitszustand, der sich schon durch einen Schlaganfall wesentlich verschlechtert hatte, unter den unerquicklichen Verhältnissen immer mehr litt, so legte er alle seine Ämter nieder und begab sich nach Stettin, wo er schon zwei Monate später, am 30. März 1712, an wiederholtem Schlagfluß starb.“ (Lother, S. 40f.)

Mayer war ein Mann von ungewöhnlicher Gelehrsamkeit und Bildung, 281 seiner 300 Schriften, Abhandlungen und Bücher wurden gedruckt. In seinen frühen Schriften Hinneigung zum Pietismus, eine Schrift wurde sogar von Rango deutlich verworfen, später vorherrschend die antipietistische Literatur. Umfangreicher Briefwechsel mit Königen, Herzögen und Wissenschaftlern in Europa. Er brachte einen Aufschwung der Universität mit sich, im Jahre 1701/02 allein 141 Neuimmatrikulationen, soviel wurden vorher nie verzeichnet und auch 50 Jahre später nicht mehr.

Seine entschiedene Entschlossenheit führte auch zu Herrschsucht, da neben seiner Meinung keine andere geduldet wurde und sich Andersdenkenden nicht in Grenzen zu halten wußte. So soll er in einer Predigt seine Kollegen einmal „faule Wenzel“ gescholten haben. Einmal soll er sogar in Anwesenheit des Rektors dessen Einladungsprogramm zu einer Professoreneinführung vom Schwarzen Brett abgerissen und ihm vor die Füße geworfen haben.

Rainer Neumann

Nach: Lother, Pietistische Streitigkeiten in Greifswald, 1925.

Bildnis des Superintendenten Karl Michael Johannes Pfeiffer
Bildnis des Superintendenten Karl Michael Johannes Pfeiffer

Bildnis des Superintendenten Karl Michael Johannes Pfeiffer

geb. 2. Sept. 1867 - gest. ?

Ölgemälde auf Leinwand, 0,51 x 0,31 m von Elisabeth Büchsel.

Pfeiffer wurde in Müllrose geboren, studierte Theologie und wurde 1903 ordiniert. Er wirkte zunächst in der Mark Brandenburg und der Niederlausitz und wurde 1906 an St. Nikolai in Stralsund berufen. Am 15. September 1916 wurde er als Pastor am Dom St. Nikolai in Greifswald eingeführt und am 13. Oktober zum Stadtsuperintendenten ernannt. Er blieb in diesem Amt bis 1924 oder 1927, sein weiterer Lebensweg ist unbekannt.

Bildnis des Archidiakons Magister Dr. Gottfried Pyl
Bildnis des Archidiakons Magister Dr. Gottfried Pyl

Bildnis des Archidiakons Magister Dr. Gottfried Pyl

geb. 22. Okt. 1690 - gest. 29. August 1748

Ölgemälde auf Leinwand, ca. 0,80 x 0,70 m, Mitte des 18. Jh.

Inschrift im Bild oben links:
„Gottfried Pyl,
Gebohren zu Greifswald 1690, October: 22
War Doctor der Philosophie und Adjunctus
des Greifswaldischen Ministerii, 1722,
Diacomus der Nikolaikirche 1723,
Archidiaconus und Vormittagsprediger
derselben Kirche 1725, starb 1748 an
d. 29. August, beweint von
allen guten welche den wahrenWerth
des verdienstvollen u. Aedlen kannten,
ein wohlwollender Lehrer der Religion
und redlicher Freund der
Menschen.“

Gottfried Pyl ist Sohn des Diakons und Theologieprofessors Theodor Pyl. Er besuchte die Ratsschule in Greifswald und wurde 1708 an der Universität eingeschrieben. Er studierte hier bis 1713, danach in Jena. 1715 kam er nach Greifswald zurück. Er war Theologe und Philosoph und verfaßte als „Adjunkt des Greifswaldischen Ministerii“ einen ersten Katalog der überwiegend aus mittelalterlichen Hand- und Druckschriften bestehenden „Bibliothek des Geistlichen Ministeriums“ die noch heute in Greifswald existiert. Weiterhin stammt von ihm ein erstes Verzeichnis der Grabsteine der Domkirche St. Nikolai. Nach dem Tode seines Vaters 1723 bekam er dessen Stelle als Diakon an St. Nikolai, im gleichen Jahr promovierte er in Rostock zum Magister. Im Jahre 1725 wurde er Archidiakon am Dom und blieb in diesem Amt 13 Jahre bis zu seinem Tode 1748.

Bildnis des Diakons Magister Theodor Pyl
Bildnis des Diakons Magister Theodor Pyl

Bildnis des Diakons Magister Theodor Pyl

geb. 20. Aug. 1647 - gest. 19. Juli 1723

Ölgemälde auf Leinwand, 2,60 x 1,60 m, Mitte des 18. Jahrhunderts mit angehängter Inschriftenkartusche.

Magister Theodor Pyl wurde in Stralsund geboren, besuchte dort das Gymnasium und studierte ab 1666 in Greifswald, später in Jena, wo er Mathematik las und 1672 zum Magister promovierte. In Greifswald hält er 1775 Vorlesungen über Festungsbau und wird 1776 Adjunkt der philosophischen Fakultät. Noch im gleichen Jahr hält er im Dom eine Probepredigt und wird zum Diakon berufen. Von 1701 bis zu seinem Tode lehrt er als Theologieprofessor an der Universität. Neben der Theologie befaßte er sich mit der Mechanik: „Was er in diesem Fach leistete, wurde zu seiner Zeit geschätzt“ schreibt der spätere Archidiakon und Chronist Biederstedt.

Pyl starb 1723 und wurde im Dom beerdigt. Seine Grabplatte hat die Inschrift „M.T. Pylen, erblich, 1701“ und befindet sich im nördlichen Seitenschiff.

Übersetzung der lateinischen Inschriftenkartusche: (zur Zeit nicht angebracht)

„Magister Theodor Pyl, während 47 Jahren Prediger an St. Nikolai und dreizehn Jahre lang auch Ältester des ehrwürdigen [Geistlichen] Ministeriums. Geboren in Stralsund am 20. August 1647, gestorben am 19. Juli 1723.“

Bildnis des Archidiakons Magister Joachim Rhaw
Bildnis des Archidiakons Magister Joachim Rhaw

Bildnis des Archidiakons Magister Joachim Rhaw

geb. 16. Okt. 1608 - gest. 03. Jan. 1664

Ölgemälde auf Leinwand, 0,97 x 0,84 m von unbekanntem Maler, Mitte 17. Jahrhundert.

Magister Joachim Rhau [Rhaw]entstammt einer alten Greifswalder Gelehrtenfamilie (Juristen und Theologen). Er besuchte die Schule in Hamburg, studierte in Wittenberg und Greifswald, wo er auch 1643 zum Magister promovierte. 1637 wurde er Pastor in Wildberg, ging aber gedrängt durch die Wirrnisse des 30-jährigen Krieges noch im gleichen Jahr nach Greifswald zurück und wurde zunächst Diakon an St. Nikolai. 1640 wechselte er als Diakon nach St. Marien und 1656 wurde er als Archidiakon an den Dom St. Nikolai berufen. Eine seiner Töchter heiratete den späteren Archidiakon Johann Stephani.

Die Rubenow-Tafel
Die Rubenow-Tafel

Die Rubenow-Tafel

Die Rubenow-Tafel ist das älteste und bedeutendste Ausstattungsstück, das im Greifswalder Dom aus dem Mittelalter erhaltengeblieben ist. Allerdings wurde sie in den über 500 Jahren mehrfach restauriert.

Das Bild ist 1,50 m hoch und 2,16 m breit, in Temperafarben auf eine Eichenholztafel gemalt; unten angehängt ist eine Schrifttafel mit einem lateinischen Text. Dargestellt sind sieben Professoren in ihren talarartigen Ornaten, davor ein - seiner geringeren Bedeutung entsprechend klein dargestellter - Pedell, der das Szepter der Universität in der Hand hält, sowie ein Spruchband, auf dem in lateinischer Schrift steht: „Bitte mit frommer Stimme für uns, Heilige Maria.“ Zwischen den Figuren hindurch schlingen sich Spruchbänder, die - ebenfalls in lateinischer Sprache - Namen und Titel der einzelnen Professoren angeben. Dahinter schwebt in einer goldenen Gloriole die Mutter Maria mit dem Christuskind auf dem Arm.

Die dargestellten Personen sind von links nach rechts: (Übersetzung der lateinischen Spruchbänder)

  • Heinrich Rubenow, beider Rechte Doktor, erster Rektor der Universität Greifswald, die unter seiner Leitung durch den erlauchten Fürsten Herzog Wartislaw IX eröffnet wurde.
  • Nikolaus von Amsterdam, Magister der freien Künste, der Hl. Theologie Bakkalaureus, erster Rostocker Quotlibetar.
  • Bernhard Boddeker, Magister der freien Künste, Lizentiat der Medizin und Bakkalaureus der Hl. Theologie und des kanonischen Rechts.
  • Tilemann Johannes, Doktor beider Rechte und Kanoniker der Metropolitankirche zu Riga.
  • Wilkius Bolen, Doktor der Dekretalien und Kanoniker der Bischofskirche zu Schwerin
  • Berthold Segeberg, Magister der freien Künste, Rat allhier und danach Dekan der Artistenfakultät der Greifswalder Universität.
  • Johannes Lamside, Magister der freien Künste, der Hl. Theologie Bakkalaureus und erster Schulmeister dieser Kirche, auch erster Greifswalder Quotlibetar.

Der Greifswalder Kunsthistoriker Prof. Nikolaus Zaske schreibt dazu 1991 im Domheft: „Das Kompositionsschema wurde Heiligenszenen entliehen, doch dient es hier einem weltlichen Thema. Es war damals unüblich, Gelehrte, sofern die Kirche sie nicht kanonisiert hatte, allein wegen ihrer beruflichen Tüchtigkeit und ihres bürgerlichen Ansehens in dieser Weise auf Bildern festzuhalten, zu einer Zeit, als Bilder kultisch verehrt wurden. Mit der Tafel des Heinrich Rubenow kündigten sich ein neues Selbstbewußtsein und eine veränderte Weltordnung an.“

Der Kunsthistoriker Paatz bezeichnet dieses Bild als ältestes erhaltenes monumentales Gruppenbildnis mit Ganzfiguren im deutschsprachigen Raum und zugleich als „ein Denkmal deutschen Professorentums an der Wende vom Mittelalter zum Humanismus“.

Heinrich Rubenow, links auf dem Bild dargestellt, war 1. Bürgermeister der Stadt Greifswald und gilt als Gründer der Universität, die vornehmlich durch sein Betreiben im Oktober 1456 durch den Landesfürsten Herzog Wartislaw IX. eröffnet wurde. Das Gründungszeremoniell fand im Greifswalder Dom statt. Als das Bild 1460 von Heinrich Rubenow in Auftrag gegeben wurde, lebten seine Wegbegleiter und Gründungskollegen, die ehemalige Rostocker Professoren waren, schon nicht mehr. In der Schrifttafel unter dem Bild - in der Ich-Form verfaßt - werden sie vom Stifter Rubenow als - Lichter der Welt bezeichnet, die beredt und tiefen Geistes waren, deren Gleiche die Welt heute kaum hat.

Rubenow überlebte seine beiden letzten Kollegen, die 1460 starben aber auch nur um 2 Jahre. Er wurde in der Silvesternacht des Jahres 1462 in der Kanzlei (Scriveryge) erschlagen. Seine Ermordung hängt aber wohl weniger mit seiner Tätigkeit als Rektor der Universität, als mit seinem Bürgermeisteramt zusammen. Rubenow wurde im Franziskanerkloster (jetzt Museum der Stadt Greifswald) beigesetzt. Sein Grabstein wurde 1702 in die Marienkirche überführt.

Die Übersetzung der lateinischen Schrifttafel:

„Im Jahre Tausend, viermal Hundert und dreimal zwölf verbinde ich mich mit diesen aus Rostock. In der schweren Zeit des übertragenen Studiums entschlafen die ersten vier Gelehrten. Aber auch die beiden letzten sterben, im Jahre Tausend, viermal Hundert und sechzig. Sie, die Lichter der Welt, beredt, tiefen Geistes waren; diesen Erwählten Gleiche hat die Welt heute kaum. Die drei ersten mit dem letzten sind hier begraben. Den verstorbenen vierten bestattete die Minoritenkirche, in der Marienkirche ward dem fünften sein Grab. Allen diesen verleih, Heiland Christus, ins Himmelreich einzugehen und nicht im Höllentod unterzugehen.“

Bildnis des Generalsuperintendenten Dr. Jakob Runge
Bildnis des Generalsuperintendenten Dr. Jakob Runge

Bildnis des Generalsuperintendenten Dr. Jakob Runge

geb. 15. Juni 1527 - gest. 11. Jan. 1595

Ölgemälde auf Holz, 2,10 x 2,10 m, Ende des 16. Jahrhunderts. Signatur unterhalb des Buches „M. Neht“.

Jakob Runge „aufrichtiger Hörer und Schüler Martin Luthers“ ist der Nachfolger der pommerschen Reformatoren Bugenhagen und Knipstro, unter dem sich das lutherische Kirchenwesen konsolidierte. Er lebte von 1527 bis 1595 und stand 47 Jahre im Dienste der Pommerschen Kirche und der Universität. Mit 21 Jahren promovierte er zum Magister und wurde bald darauf Prof. für Rhetorik, mit 26 Jahren Prof. der Theologie. 1557 wurde er Generalsuperintendent für Vorpommern und Rügen und übte dieses Amt fast 4 Jahrzehnte bis zu seinem Tode aus. Die von ihm begründete Neufassung der Pommerschen Kirchenordnung von 1563 hatte Bestand bis in unser Jahrhundert.

Übersetzung der lateinischen Inschrift unter dem Bild von D. J. Runge:

„Jacob Runge, in Stargard in Pommern A. D. 1527 geboren, aufrichtiger Hörer und Schüler des seligen Luther, in jungen Jahren Professor für den Lehrkurs der freien Künste an der Universität Greifswald, hierauf Pastor an dieser Kirche. Bald darauf zum Generalsuperintendenten des westlichen Pommern ernannt und zum Doktor der hl. Theologie promoviert, diente er der Kirche und der Universität ganze 47 Jahre mit höchster Sorgfalt. Die Kirchenordnung bemühte er sich mit anderen frommen und gelehrten führenden Persönlichkeiten zunächst zu begründen und, nachdem sie unter den Auspicien der erlauchten Fürsten von den Provinzialständen feierlich gebilligt und bekanntgemacht war, in seiner Diözese beständig zu schützen. Er war ein treuer Beistand von Philipp Melanchthon und D. Brenz auf dem Wormser Kolloquium vom Jahre 1557, mehr als zwanzigmal Beisitzer oder Präses auf den Sitzungen der Provinzialsynode, frömmster Verfechter der orthodoxen Lehre, von den verschiedenen Kämpfen daheim und außerhalb schwer geplagt, durch Lehr- und Streitschriften dem Vaterland überaus nützlich und berühmt, eifrigster Vorkämpfer kirchlicher und akademischer Rechtsprechung, darüber hinaus gewiß durch Ansehen, Lehre, Beredsamkeit, Klugheit, Rat und Verwaltung den Frommen und Guten verehrungswürdig, er, der, nachdem er einen guten Kampf im Glauben und mit gutem Gewissen bis zum Tode gekämpft hatte, seinen an Mühen sehr reichen Lebenslauf vollendete, 67 Jahre und sechs Monate nach seiner Geburt. Er starb fromm und friedlich im Jahre 1595 der christlichen Ära, an den 3. Iden des Januar (11.1.). Mit seiner frommen und ehrbaren Ehefrau Catharina Gerschia lebte er 42 Jahre, von ihr bekam er fünf Söhne und vier Töchter, von denen acht noch leben, die dieses Denkmal der heiligen und um Kirche, Schule und Familie wohlverdienten Seele stiften, aufstellen und weihen.“ - Bekenntnis D. Jacob Runges: „Wenn ich den Menschen noch gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht. Galat. 1,10.“

Jacob Runge

15. Juni 1527, Stargard - 11. Januar 1595, Greifswald

Jacob Runge verdient es, neben Bugenhagen, dem Reformator Pommerns, genannt zu werden, so groß sind seine Verdienste um die Festigung und Ausgestaltung der Reformation in Pommern. Runge war der Lehrer der Pommerschen Kirche.

Johann Knipstro, der erste Generalsuperintendent von Pommern-Wolgast, nahm auf dem Sterbebett (4. Oktober 1556) ihm das Versprechen ab, allen fremden Angeboten zu widerstehen und in Pommern zu bleiben. Dies hat Runge auch verwirklicht und lehnt 1556 eine Berufung nach Nürnberg ab, später auch nach Wittenberg.

Jacob Runge wurde am 15.6.1527 in Stargard als Sohn eines angesehenen Leinenwebers und Ratskämmerers geboren. Da der Rat dem Wirken Knipstros in Stargard nach wenigen Monaten ein Ende machte, gehörte Vater Runge nicht dieser Fraktion an, so wuchs Jacob Runge von Kind auf in einem der evangelischen Lehre zugehörigen Elternhaus auf. Er besuchte nach der Schule in Stargard das Pädagogium in Stettin und ging dann mit 17 Jahren (1544) auf die Universität Wittenberg. Dort hörte er Luther, Bugenhagen und freundete sich mit Melanchthon an. Als Wittenberg im Schmalkaldischen Krieg erobert wurde, ging Runge nach Greifswald, wo dem Studenten im September 1547 der Lehrstuhl für Grammatik und Musik anvertraut wurde. In Greifswald bestand damals nur eine theol. Professur, die der Generalsuperintendent, also Knipstro, wahrnahm.

Runge heiratete mit 22 Jahren (1549) die Nichte Knipstros, mit der er 41 Jahre lang eine sehr glückliche Ehe führte. Der dritte Sohn, Friedrich, wurde 1597 als Nachfolger seines Vaters als Generalsuperintendent von Pommern-Wolgast eingeführt, er starb 1604 und wurde, wie seine Eltern, in St. Nikolai bestattet.

Bei der Pestepidemie in Greifswald, die von Juli 1549 bis zum Mai 1550 etwa 1000 Tote forderte und als die Mehrzahl der Studenten und Professoren die Stadt verließ, blieb Runge in Greifswald und setzte den Lehrbetrieb fort.

Knipstro beteiligte Runge an den Synoden dieser Jahre in zunehmendem Maße.

Runge wurde 1552 Professor der Theologie, als Knipstro an den Hof in Wolgast zog, gleichzeitig wurde er auch Pfarrer an St. Nikolai und Stadtsuperintendent. Damit mußte er zwei Mal pro Woche Hebraica und den Psalter lesen. Er hielt aber auch Vorlesungen im NT.

Die Aufgaben als Stadtsuperintendent bestanden damals besonders in der Ausbildung der Pfarrer, der Aufsicht über die Lehre und die Amtsführung.

Nach Knipstros Tod am 4.10.1556 in Wolgast wurde Runge unum¬strit¬ten am 7.3.1557 in Wolgast im Alter von nur 29 Jahren als Generalsuperintendent eingeführt!

Die Lage der jungen ev. Kirche war ausgesprochen kläglich, da sie aus einer diskreditierten röm.-kath. Kirche hervorgegangen war und viele Städte sich den Visitationen widersetzten. Dies aus durchaus eigennützigen Motiven, da sie den die Reformation unterstützenden Herzog nicht stärken wollten und da die Grundherren und Städte bisheriges Kircheneigentum übernommen hatten. Die Lage der Prediger war sehr schwierig: man hatte zuwenige, ungeeignete und unausgebildete Pfarrer, die willfährige Objekte ihrer Patronatsverwalter bleiben sollten. Dies geändert zu haben, ist eine der großen Leistungen Runges, der das Scheitern der Reformation im Pommern durchaus für möglich hielt.

1556 beschreibt Runge die Lage der Kirche klar und drastisch:

„Herrschaft und Bauren achten der Prediger gering, gerathen in Verachtung des Worts und Sacrament, geben einen Prediger umb den andern, sagen, sie können eher Pfaffen, denn Kühe-Hirten bekommen.“

„Das Predigtampt ist der Leute Spott und verachtet, allein um der schendlichen Armut willen. Keiner, der etwas redliches studiert hat, wil sich zum Predigtampt begeben, umb der schendlichen Armut willen. Die Reichen wollen nicht Theologi werden, die Armen vermögen es nicht.“ Knipstros Frau, als sie noch in Stralsund waren, nähte für andere Leute Wäsche.

Bei der Taufe wird „groß Gepränge getrieben, fast keiner denket daran, was die Taufe sei.“ „Es werden offt zu Gevattern gebeten gottlose Leut umb Ehr und Freundschafft, unangesehen, ob sie dem Evangelio feind seyen, nimmer zum Sacrament gehen oder in öffentlichem Ärgerniß leben. Weil aber die Prediger dieselbigen bey de Tauff nicht leiden können, werden offtmahln darüber Tumult erregt.“

Auch bei den Trauungen - vornehm war, des Nachts getraut oder beerdigt zu werden - beklagt Runge den Überfluß und das oberflächliche Treiben, auch die mangelnde Teilnahme am Abendmahl. Das führte schon in der Reformationszeit zu Gottesdiensten ohne Abendmahl.

Ein sehr großes Verdienst hat Runge sich erworben, indem er in Gemeinschaft mit dem Landesherren (Herzog Barnim und Johann Friedrich), die Kirchenordnung und die Agende auf die Bedürfnisse der Zeit änderte. Bugenhagens Kirchenordnung von 1535 legte den Grundstein. Die Kirchenordnung von 1563 (und Agende von 1568) waren grundlegen dfür die Ausgestaltung der Pommerschen Kirche. Diese Kirchenordnung war bis 1950 geltendes Kirchenrecht (Heyden).

Über lange Jahre lag Runge im Streit mit Stralsund, die ein separatistische Bestrebungen zeigten und der Kirchenordnung immer wieder ihre Gültigkeit bestritten.

Runge wurde am 2. Mai 1558 zum Doktor promoviert auf Anregung und in Anwesenheit von Herzog Philip. Am gleichen Tage wurde ein Erlaß herausgegeben daß fortan die drei Greifswalder Pfarrer und der Superintendent theologische Vorlesungen zu halten hätten. Das ist praktisch der Gründungstag der Theol. Fakultät. Kurz danach lehnte Runge einen Ruf nach Wittenberg als Nachfolger Bugenhagens ab. Melanchthon schätzte die Pommern sehr: „Nicht leicht können anderswo so viele vornehme Menschen, die durch eine tiefe und ausgezeichnete Erziehung geschult sind, gefunden werden, wie in Pommern.“

Runge verteidigte energisch das luth. Bekenntnis und er veröffentlichte 1582 eine kleine Schrift. Dies ist das erste in Greifswald gedruckte Buch. Der Drucker bekam freie Wohnung, Steuerfreiheit und 20 Taler Gehalt. Er verfaßte für die Pfarrer der Synode Barth einen Hirtenbrief, in dem er sehr eindringlich vor dem „alten Zwinglischen Teufel und der alten Zwinlischen Schwärmerei“ warnte. Und er werde sich bei der nächsten Synode von dem Fleiß und der Erkenntnis der Pastoren überzeugen.

Durch diese Tätigkeit wurde Runge der Erzieher der Pfarrerschaft. Dies geschah durch Partikularsynoden in 15 Bereichen. Diese glichen Universitätsseminaren, denn Runge gab vor, was - etwa aus der Bibel oder von Luther - zu lesen war und was er dann abfragte. Die Gefahr des „verbauerns“ war angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit und der mangelnden Bildung der Pfarrer sehr groß. Die Unsicherheit in der luth. Lehre der jungen Kirche noch sehr groß, Urteilsfähigkeit noch wenig ausgebildet. Daher hatte die Agende die Aufgabe der Subjektivität im Amt zu wehren.

1591 starb die Ehefrau nach 41 Jahren glücklicher Ehe. Runge hatte mit der umfassenden Reisetätigkeit, der Schwere der Aufgaben kein leichtes Leben gehabt. Er fühlte sich nach ihrem Tod einsam und alt und unter einen Abschiedstext an die Synode in Barth schrieb er in Latein „Senex, Viduus, aeger“ (Greis, Witwer, leidend). Darunter schrieb er dann:

„Testament des D. Jakob Runge, des zweiten Superintendenten, der alt und krank ist, wie er es der Barthischen Synode und allen ihren Brüdern hinterlassen hat. Liebet die Wahrheit und den Frieden, seid treu, einträchtig und gest im Herrn in aller Bescheidenheit und Geduld. Seid durch Frömmigkeit und Tugend Vorbilder eurer Gemeinde. Und Gott der Herr, Immanuel, wird mit euch sein. Am 13. Oktober im Jahre Jesu Christi 1593.“

Runge starb am 11.1.1795 im Alter von siebenundsechzig Jahren und wurde in St. Nikolai an der Seite seiner Ehefrau begraben.

Sein Platz konnte nicht schnell besetzt werden, zwei Jahre blieb das Amt vakant. Dann hatte man den Pastor von St. Jacobi, Flegius gewählt, der jedoch kurz vor Amtsantritt an der Pest starb. So wurde der Sohn Jakob Runges, Friedrich Runge sein Nachfolger.

Rainer Neumann

Nach: Klaus Harms: Jakob Runge. Ulm, 1961.

Unter seinem Bild in St. Nikolai steht der Text:
„Jacob Runge, in Stargard in Pommern A. D. 1527 geboren, aufrichtiger Hörer und Schüler des seligen Luther, in jungen Jahren Professor für den Lehrkurs der freien Künste an der Universität Greifswald, hierauf Pastor an dieser Kirche. Bald darauf zum Generalsuperintendenten des westlichen Pommern ernannt und zum Doktor der hl. Theologie promoviert, diente er der Kirche und der Universität ganze 47 Jahre mit höchster Sorgfalt. Die Kirchenordnung bemühte er sich mit anderen frommen und gelehrten führenden Persönlichkeiten zunächst zu begründen und, nachdem sie unter den Auspicien der erlauchten Fürsten von den Provinzialständen feierlich gebilligt und bekanntgemacht war, in seiner Diözese beständig zu schützen. Er war ein treuer Beistand von Philipp Melanchthon und D. Brenz auf dem Wormser Kolloquium vom Jahre 1557, mehr als zwanzigmal Beisitzer oder Präses auf den Sitzungen der Provinzialsynode, frömmster Verfechter der orthodoxen Lehre, von den verschiedenen Kämpfen daheim und außerhalb schwer geplagt, durch Lehr- und Streitschriften dem Vaterland überaus nützlich und berühmt, eifrigster Vorkämpfer kirchlicher und akademischer Rechtsprechung, darüber hinaus gewiß durch Ansehen, Lehre, Beredsamkeit, Klugheit, Rat und Verwaltung den Frommen und Guten verehrungswürdig, er, der, nachdem er einen guten Kampf im Glauben und mit gutem Gewissen bis zum Tode gekämpft hatte, seinen an Mühen sehr reichen Lebenslauf vollendete, 67 Jahre und sechs Monate nach seiner Geburt.. Er starb fromm und friedlich im Jahre 1595 der christlichen Ära, an den 3. Iden des Januar (11.1.). Mit seiner frommen und ehrbaren Ehefrau Catharina Gerschia lebte er 42 Jahre, von ihr bekam er fünf Söhne und vier Töchter, von denen acht noch leben, die dieses Denkmal der heiligen und um Kirche, Schule und Familie wohlverdienten Seele stiften, aufstellen und weihen.

Bekenntnis D. Jacob Runges:
Wenn ich den Menschen noch gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht. Galat. 1.10.“

Bildnis des Generalsuperintendenten Michael Christian Rusmeyer
Bildnis des Generalsuperintendenten Michael Christian Rusmeyer

Bildnis des Generalsuperintendenten Michael Christian Rusmeyer

geb. 21. August 1686 - gest. 20. August 1745

Ölgemälde auf Leinwand, 0,61 x 0,49 m, Mitte des 18. Jahrh.

Rusmeyer wurde in Lüneburg als Sohn mittelloser Eltern geboren. Er studierte in Jena und Halle Theologie und auch ein Jahr Jura, arbeitete dann in Hamburg, Christiania/Schweden und Kopenhagen als Hauslehrer und Hilfsgeistlicher. 1717 erschienen seine ersten Schriften. Im Dezember 1719 erfolgte seine Berufung als Theologieprofessor und Pastor an St. Marien, obwohl er als Vertreter des Pietismus sehr viele Gegner hatte. Durch Verleumdungen und Klagen wurde sein Leben stark beeinträchtigt und seine Lehrtätigkeit behindert. Erst nach dem Tod eines Hauptgegners im „Greifswalder Pietismusstreit“ (Prof. Gebhardi, 1729) konnte sich Rusmeyer voll entfalten.

Im Oktober 1740 wurde er zum Generalsuperintenten berufen, er starb im August 1745.

Michael Christian Rusmeyer

10. August 1686, Lüneburg - 20. August 1745, Greifswald

Michael Christian Rusmeyer wurde am 17.1686 in Lüneburg als Sohn mittelloser Eltern geboren. Er sollte ein Handwerk erlernen, wollte aber gegen den Willen des Vaters Theologie studieren. In Lüneburg erlebte A. H. Francke seine Bekehrung und es herrschte ein intensives religiöses Klima, hier liegen wohl Wurzeln der späteren theol. Ausrichtung Rusmeyers. Er erhielt Privatunterricht und ging mit 20 Jahren auf die Universität in Jena. Dort studierte er neben Theologie auch ein Jahr Jura. Danach wollte er nach Halle, der Hochburg des Pietismus, wechseln, erhielt aber einen Ruf nach Hamburg als Hauslehrer. Vorher reiste er aber nach Halle und wurde mit A. H. Francke bekannt, mit dem er in Briefwechsel blieb. In Hamburg machte er Examen, predigte fast zwei Jahre regelmäßig vertretungsweise. 1713 ging er als Hauslehrer nach Christiania/Schweden und wurde kurze Zeit 1714 Hilfsgeistlicher an der deutschen Kirche in Stockholm. Drohende Kriegsgefahr ließ ihn über Uppsala nach Hamburg zurückkehren, wo er wieder als Hauslehrer und predigend tätig war. 1717 erste Schriften im Druck erschienen.

1716 Hauslehrer der drei Söhne des Grafen von Reventlow mit Aufenthalt in Altona und Kopenhagen, von wo er sich 1719 mit Unterstützung einflußreicher Gönner auf die Professur in Greifswald bewarb.

Für die Professur waren von Prof. Gebhardi am 30.3.1719 drei Männer vorgeschlagen worden. 14 Tage später wurde er auf Rusmeyer aufmerksam gemacht, auch durch einen Brief aus Kopenhagen. Auch Rusmeyer schreibt eine Selbstempfehlung, daß er „von Jugend auf beständig Neigung gehabt habe, Gott in einer Professione Theologica zu dienen“. Nach weiteren empfehlenden Briefen, auch aus Kopenhagen, erfolgt eine Veränderung der Vorschlagsliste. Rusmeyer wurde um eine Probepredigt gebeten, die ausgesprochen gut aufgenommen wurde. Eine Intervention aus Rügen erfolgte, daß man nicht einen „frembden, in diesen Landen Unbekannten und mit den Verhältnissen nicht Vertrauten“ in Vorschlag bringen wollte. Das wurde zurückgewiesen. Nun wurde eine Disputation angesetzt, die weniger gut ankam. Er sei „in der Disputation nicht sonderlich exercieret“. Schon hier erfolgten heftige Vorwürfe von Prof. (math.) Papke, der Rusmeyer u.a. in den folgenden Jahrzehnten heftigst mit Pietismusvorwürfen und Anklagen bedeckte. Rusmeyer war eine der zentralen Figuren im „Greifswalder Pietismusstreit“. Die Mehrheit in der Universität war gegen Rusmeyer - Gebhardi dafür -, dennoch erfolgte am 5.12.1519 die Ernennung durch König Friedrich IV. in Kopenhagen.

Im Juli 1723 reichte der Papke seine Denunziationsschrift wegen Pietismusvorwürfen gegen Rusmeyer und Balthasar direkt beim Konsistorium in Stockholm ein. In den Folgejahren gingen von ihm immer wieder Anklagen aus.
Papke war wegen der Sache, aber auch wegen persönlicher Motive - Übergehung bei Rektoratswahl - so angriffswütig. Auch wollte er Theologie lesen, was aber abgelehnt wurde. Als Mathematiker haben ihm Studenten gezeigt, wie man es machen solle. Papke war streitsüchtig, immer erneute kleinliche Anklagen, er floh dann später nach Schweden, verlor dort auch die Unterstützung in dieser Sache. Er behinderte aber u.a. Rusmeyers Leben und seine Lehrtätigkeit in enormem Ausmaß.

1723 erhielt Rusmeyer eine Anfrage aus Halle, vermutlich von A. H. Francke, und verspürte nicht geringe Neigung „nach Gottes Willen diesen Ort zu verlassen und jenen zu wählen“, aber da er sich in Greifswald verschuldet hatte, waren die Einkünfte in Halle nicht hoch genug.

1724 trafen sich einige Studenten, die die Bibel lasen und darüber ihre Meinungen austauschten. Im Oktober 1725 übernahm Rusmeyer auf Bitte der Studenten die Leitung der jetzt am Sonntag Nachmittag stattfindenden collegia pietatis. Diese wurden aber sofort verboten.

Über die Vorwürfe schreibt Lother: „Der pietistischen Behauptung von der Vollkommenheit aller wahrhaft Gläubigen entspricht Rusmeyers Behauptung in einer Predigt, daß das Abendmahl nicht zur Vergebung der Sünden, sondern zur Stärkung des Glaubens empfangen würde“ (S.110). Auch der Vorwurf, daß er das NT im hervorgehobenen Rang über das AT stelle, wurde erhoben und seine Geringschätzung der Philosophie angeklagt. Viele Angriffe auch wegen lange zurückliegender Schriften. Der Streit dauerte über lange Jahre hin bis er, nach dem Tod von Beteiligten (Gebhardi 1729), einem erfolglosen Schiedsspruch (1730), Verzögerungen und auch einer Veränderung der theol. Landschaft (Aufkommen des Rationalismus), im Sande verlief. Er schadete aber der Universität und den Beteiligten sehr.

Als die Auseinandersetzung ruhiger wurde, konnte Rusmeyer seine wissenschaftliche Begabung voll leben und ein umfangreiches Schrifttum verfassen.

Im Oktober 1740 wurde er zum Generalsuperintendenten ernannt und im Januar 1741 eingeführt.

Am 20. August 1745 starb er an einem Asthmaanfall, nachdem er sich zum Sterben vorbereitet hatte. Er lebte glücklich in seiner Familie und hatte das Bedürfnis, „auch seinen Studenten einen Eindruck davon zu geben, daß sich die Religion nicht in starren Formeln verzehren dürfe, sondern wirkliche Herzenssache sein müsse“. Dies bewog ihn, von der Orthodoxie, zum Pietismus zu gehen. Seine Bibliothek, 3658 Bände, enthielt einen sehr großen Teil pietist. Literatur und die mit dem Streit verbundene Literatur.

Seine Predigten waren für unsere Verhältnisse ungeheuer lang, damals aber der Zeit angemessen, 15-20 Druckseiten lang. Streng biblische Predigten, ganz selten Verzerrungen, so hat er etwa de Hochzeit von Kana behandelt unter dem Thema „Die Übung des Christentums in der Ehe“ und dabei eine eingehende Besprechung der Verlobung angefügt.

Rusmeyer ist zwar ein Vertreter des Pietismus, aber dies in bester Hinsicht, da er Herzensfrömmigkeit mit wissenschaftlichem Streben verbunden hat.

Rainer Neumann

Nach: Lother, Pietistische Streitigkeiten in Greifswald, 1925.

Bildnis des Generalsuperintendenten Gottlieb Schlegel
Bildnis des Generalsuperintendenten Gottlieb Schlegel

Bildnis des Generalsuperintendenten Gottlieb Schlegel

geb. 16. Febr. 1739 - gest. 22. Mai 1810

Ölgemälde auf Leinwand, 1,17 x 0,80 m, erstes Viertel 19. Jahrh. mit einer Inschriftentafel.

Schlegel wurde in Königsberg geboren, war ein Schüler von Immanuel Kant und Jugendfreund von Gottfried Herder und Gotthard Ludwig Kosegarten. Er wurde 1777 Pastor in Riga und 1790 zum Generalsuperintendenten für Vorpommern und Rügen und ersten Professor der Theologie an der Greifswalder Universität berufen. Er hielt Vorlesungen über Dogmatik, Moral und Ethik im Geist der Aufklärung. Er ist der Verfasser des schwedisch-pommerschen Landeskatechismus von 1792 und Herausgeber des Gesangbuches von 1796, das allerdings wegen seiner „rationalistischen Ausrichtung“ im Lande auf großen Widerspruch stieß. Er starb im Jahre 1810. Ein größeres Bildnis Schlegels befindet sich im Besitz der Universität. Auf beiden Gemälden ist er mit dem Nordsternorden dekoriert dargestellt.

Text der Inschriftentafel:

„Dr. Gottlieb Schlegel, geb. zu Königsberg in Preußen den 16 .II. 1739, Rektor und Inspektor der Domschule zu Riga 1765, Pastor an der Domkirche 1777. Generalsuperintendent, Prokanzler usw. zu Greifswald 1790. Mitglied des Kgl. Nordsternordens 1797, gest. am 27. May 1810. Nach einem rastlos thätigen Leben ruhen seine Gebeine hier unter Deinen Füßen, o Wanderer“

Bildnis des Archidiakons Magister Johannes Stephani
Bildnis des Archidiakons Magister Johannes Stephani

Bildnis des Archidiakons Magister Johannes Stephani

geb. 4. Dez. 1639 - gest. 23. Juni 1711

Ölgemälde auf Leinwand, 2,20 x 0,97 m, Anfang 18. Jahrhundert in zeitgenössischem Rahmen mit Akanthusdekor und unten angehängter Inschrifttafel, zu großen Teilen nicht mehr lesbar.

Johann Stephani, geb. 1639, stammte aus Horneburg bei Bremen und war nicht mit der bekannten Greifswalder Patrizier- und Gelehrtenfamilie Stephani verwandt. Er besuchte die Schule in Hamburg und Stade, studierte ab 1662 in Greifswald. Er heiratete eine Tochter des Joachim Rhau, Archidiakon von 1656 bis 1663.

Johann Stephani wurde 1665 Diakon, 1676 Archidiakon am Dom St. Nikolai, starb 1711 und wurde im Dom, vermutlich im südlichen. Seiteitenschiff beerdigt. Eine Grabplatte mit der Inschrift „Dieses Begräbnis gehört M. J. Stephani, u.s.E.“, mit der Jahreszahl 1703, befindet sich im Eingangsbereich vor der Bürgermeisterkapelle.

Übersetzung der lateinischen Inschrift (soweit noch zu entziffern):

„Johannes Stephani aus Hornburg, geboren am 4. Dezember 1639. Zum Diakon berufen 1665; in diesem Amt wirkte er elf Jahre lang segensreich. Von 1676 bis 1711 war er Archidiakon zu St. Nikolai [...]. Er verschied in Christo im Alter von 71 Jahren, nach 46 Dienstjahren.

Seine sehr traurige Witwe Maria Rhau, Tochter des Doktors und Archidiakons zu St. Nikolai Joachim Rhau, mit ihren fünf noch lebenden Töchtern Maria Elisabeth, Ehefrau des Pfarrers und Propstes von Barth Daniel Schönmann, Katharina Margarethe, Ehefrau des Predigers zu St. Jacobi Michael Lobessund, und die Jungfrauen Anna Sc...ia, Christina Dorothea [und?] Isabella Wig [?] setzt und weint aus Liebe und Verehrung.“

Bildnis des Generalsuperintendenten Conrad Tiburtius von Rango
Bildnis des Generalsuperintendenten Conrad Tiburtius von Rango

Bildnis des Generalsuperintendenten Conrad Tiburtius von Rango

geb. 9. Aug. 1639 - gest. 3. Dez. 1700

Ölgemälde auf Leinwand, 4,60 x 3,00 m, frühes 18. Jahrhundert, nach niederländischem Vorbild.

Rango wurde in Colberg geboren, besuchte dort und in Belgard (Hinterpommern) die Schule, studierte zunächst Medizin, dann Theologie an verschiedenen Universitäten, u.a. Halle, Gießen und Wittenberg, wo er 1661 zum Magister promovierte. Er lehrte später in Berlin und Stettin, wo er auch ein Pastorat innehatte. Seit 1689 bis zu seinem Tode war er Generalsuperintendent von Vorpommern und Rügen und lehrte an der Universität. Er galt als „ein Mann von entschiedener orthodoxer Überzeugung, persönlichem Mut, großer Gelehrsamkeit und wissenschaftlicher Bedeutung“ durch seine in Europa weit verbreiteten Schriften. Als sehr streitbarer Kämpfer gegen den Pietismus erfreute er sich an der theologischen Fakultät in Greifswald jedoch keiner großen Beliebtheit. Er starb am 3. Dezember 1700 und wurde am 26. Januar 1701 in Dom St. Nikolai begraben.

Übersetzung der lateinischen Texttafel:

„Ritter Konrad Tiburtius von Rango, Doktor der Theologie, öffentl. Professor an derUniversität, Präses des königlichen Konsistoriums, Generalsuperintendent von Westpommern unddem Fürstentum Rügen usw. [Bildnis im Alter von] 66 Jahren.“

Bemerkung: Die Schäden am Bild geschahen im Zuge der Auslagerung von Kunst- und Kulturgut während des 2. Weltkrieges.

Conrad Tiburtius von Rango

9. August 1639, Colberg
3. Dezember 1700, Greifswald

begraben in St. Nikolai am 26. Januar 1701

Als Sohn eines Colberger Ratsherrn wurde Conrad Tiburtius Rango am 9. August 1639 in Colberg geboren. Er studierte zunächst Medizin, wandte sich aber auf Veranlassung seiner Eltern dem Studium der Theologie zu, war aber zeitlebens den Naturwissenschaften und der Geschichte gegenüber aufgeschlossen.
Nach zwei Jahren in Halle studierte er ein Jahr in Jena, um danach nach Gießen zu gehen. Reisen nach Süd- und Norddeutschland sowie nach Holland, Besuch und Kontakt mit vielen zeitgenössischen Theologen.
1658 Rückkehr von seinen Reisen, predigte in Colberg, weiteres Studium in Wittenberg, dort 1661 Magister.
1662-1668 Rektor am Berliner Gymnasium.
Danach Professor Philosophiae am akad. Gymnasium in Stettin, dort aber bald abgesetzt, da er seinen Rektor des Synkretismus verdächtigte. Pastorat an St. Nikolai und St. Jakobi in Stettin.
„Viel Verdruß“ im Streit mit dem Generalsuperintendenten Augustin Balthasar. Diese Streitigkeiten waren der Anlaß für seine Historia Syncretismi, in der er scharf gegen die Reformierten vorgeht, deren „Irrtümer“ er in vielen Stücken wie üblich mit denen der Juden und der Türken vergleicht. Sein aufrichtig orthodoxer Sinn brachte ihn immer wieder in Streit mit Leuten, denen er auch bei den geringsten scheinbaren Abweichungen schon Synkretismus vorwarf.
1683 Promotion und 1689 Berufung zum Generalsuperintendenten von Pommern und Rügen.
Diese Berufung wurde in Frage gestellt. Danach wäre eigentlich sein späterer Nachfolger, Mayer, ausersehen gewesen, doch Rango sei selbst nach Schweden gereist und habe durch Empfehlung der alten verwitweten Königin die Berufung erreicht. Jedenfalls sei Rango weder von den Landständen noch von der Regierung in der vorgeschriebenen Weise nominiert bzw. präsentiert worden, die aus Unwillen darüber bei seiner Beerdigung keine Deputierten habe schicken wollen. Die Theol. Fakultät versuchte vergeblich die Berufung unter Verweis auf Irrtümer in seinen Schriften rückgängig zu machen.
Keine besondere Beliebtheit in der Universität, auch keine große Predigtgabe, denn es hieß, daß er „sich gar nur sparsam hören“ ließ. Starke Polemik in seinen Predigten. Diese bezog sich vermutlich auf die Gefahr der Ausbreitung des Pietismus.
So fragte er auf eine Synode in Demmin 1690, „ob Pietisten im Lande wären“, woraufhin man ihm antwortete, „daß alles gesund im Glauben“ sei.

Seine Vorwürfe gegen die Pietisten und Spener:

  1. man sei ganz vollkommen,
  2. man könne das Gesetz vollständig halten (integre),
  3. man habe nicht nötig „Vergib uns unsere Schuld“ zu beten,
  4. Privat-Conventicula seien besser als der öffentl. Gottesdienst,
  5. man könne noch den jetzigen Offenbarungen gleich den vormaligen Glauben beilegen,
  6. ein Christ könne es soweit bringen, daß sich keine böse Lust mehr in ihm rege.

Rango war ein Mann von entschieden orthodoxer Überzeugung, persönlichem Mut, großer Gelehrsamkeit und wissenschaftlicher Bedeutung durch seine in Europa verbreiteten Schriften.

Rainer Neumann

Nach: Lother, Pietistische Streitigkeiten in Greifswald, 1925.

Bildnis des Archidiakons Magister Petrus Westphal
Bildnis des Archidiakons Magister Petrus Westphal

Bildnis des Archidiakons Magister Petrus Westphal

geb. 1662 - gest. März 1724

Ölgemälde auf Leinwand, 2,40 x 1,35 m, Anfang 18. Jahrhundert in zeitgenössischem mit Goldarabesken verzierten Rokokorahmen mit angehängter Schrifttafel.

Peter Westphal wurde in Greifswald geboren und entstammt einer alten Greifswalder Patrizierfamilie. Er besuchte die Schule in Greifswald und Görlitz, studierte in Greifswald, war dann Konrektor und Rektor der Ratsschule. Von 1712 bis zu seinem Tode im Jahre 1724 war er Archidiakon am Dom St. Nikolai.

Übersetzung der latein. Schrifttafel: (Zur Zeit nicht angebracht)

„Magister Peter Westphal, während zwölf Jahren überaus getreuer und verdienter Archidiakon dieser Kirche; geboren 1662, gestorben 1724.“

Bildnis des Archidiakons Karl Heinrich Theodor Woltersdorf
Bildnis des Archidiakons Karl Heinrich Theodor Woltersdorf

Bildnis des Archidiakons Karl Heinrich Theodor Woltersdorf

geb. 22. Dez. 1834 - gest. 3. Okt. 1904

Ölbild auf Leinwand, ca. 1,14 x 0,81 m, 1891

Woltersdorf war Sohn eines Berliner Apothekers. Er besuchte zunächst das Gymnasium in Marienwerder, lernte dann aber 4 Jahre Maschinenbau und machte sein Abitur erst mit 22 Jahren 1856 in Merseburg. Danach studierte er Theologie in Halle, Tübingen und Jena. 1859 und 1861 legte er das erste, bzw. zweite theol. Examen in Königsberg ab. Nach dem Predigerseminar 1861/62 in Wittenberg wurde er im Oktober 1862 in Magdeburg ordiniert.
Im Jahre 1865 wurde er als Archidiakon (I. Pfarrstelle) an den Dom St. Nikolai berufen, Amtseinführung am 27. Mai 1866.
Woltersdorf galt als „markanter Vertreter der liberalen Theologie“ und beschäftigte sich darüberhinaus intensiv mit historischen Forschungen zu preußischem Staatsrecht und Kirchengeschichte. Er veröffentlichte verschiedene Schriften, u.a. 1888 „Die Rechtsverhältnisse der Greifswalder Pfarrkirchen im Mittelalter“.
Seine Berufung zum Stadtsuperintendenten wurde vom Berliner Oberkirchenrat 1890 wegen einer früheren Zugehörigkeit zum „Protestantischen Verein“ und „kirchlich liberaler Einstellung“ abgelehnt.
Woltersdorf hielt seine letzte Predigt am 05. Nov. 1899 im Dom und zog als Ruheständler nach Arnstadt in Thüringen.

Bildnis des Generalsuperintendenten Prof. Dr. Johann Christoph Ziemssen
Bildnis des Generalsuperintendenten Prof. Dr. Johann Christoph Ziemssen

Bildnis des Generalsuperintendenten Prof. Dr. Johann Christoph Ziemssen

geb. 6. Okt. 1747 - gest. 17. Aug. 1824

Ölgemälde auf Leinwand, 0,66 x 0,56 m mit angehängter Schrifttafel.

Ziemsen stammte aus Stralsund, besuchte dort das Gymnasium und studierte ab 1766 in Greifswald Philosophie, Mathematik und Theologie. Er promovierte zum Magister und Doktor der Theologie und war von 1776 bis 1802 Diakon, danach bis 1812 Pastor an der Greifswalder Marienkirche. Seit 1788 lehrte er als Dozent an der Universität; gleichzeitig mit dem Pastorat in St. Marien erhielt er eine ordentliche Professur für Theologie. Ziemssen baute in Vorpommern die Lehrerbildung auf. 1791 wurde in Greifswald ein Schullehrerseminar eingerichtet, daß er leitete.

Am 3. Mai 1812 wurde er als Generalsuperintendent eingeführt und wurde damit der letzte Generalsuperintendent von „Schwe¬disch-Vorpommern und Rügen“. Vorpommern wurde 1815 an Preußen angegliedert und Ziemssen hielt 1815 in Stralsund die Festpredigt anläßlich der Übergabe Schwedisch-Vorpommerns an Preußen. In den Folgejahren wurden die kirchliche Verwaltungsstrukturen dergestalt geändert, die Generalsuperintendenturen von „Neu- und Altpommern“, in Stettin zusammengelegt wurden, wo sie bis zum Ende des II. Weltkrieges verblieben.

Ziemssen war Ritter des königl. Rothen Adlerordens dritter Klasse.