Andacht zum Sommerbeginn - 12.Juli 2020

Vorspiel: Orgel – Frank Dittmer

Votum und Begrüßung – Beate Kempf-Beyrich und Heide Zimmermann

Heide Zimmermann:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes feiern wir Gottesdienst.
Herzlich Willkommen liebe Gemeindeglieder aus der Domgemeinde St. Nikolai und allen anderen Hörerinnen und Hörern aus nah und fern.
Es ist Sommerzeit – Schulferien - Urlaubszeit, auch wenn es sich in unserer Region in den letzten Tagen eher herbstlich anfühlte. Viele haben Urlaub und sehnen sich nach Erholung. In diesem Jahr ist die Reiselust gebremst, aber die Schönheit der Natur kann man ja auch bei uns geniessen.

Pastorin:
Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit – so beginnt ein bekanntes Kirchenlied von Paul Gerhardt – und obwohl es schon mehrere Jahrhunderte alt ist – kann es uns auch heute noch in Urlaubsstimmung oder zumindest Sommerstimmung bringen. Das Lied soll uns durch diese Andacht begleiten. Die Texte haben wieder Gemeindeglieder der Domgemeinde eingelesen. Musikalisch gestaltet ein Gesangsquartett die Andacht mit und an der Orgel spielt unser Domorganist Frank Dittmer.

Lied: 503, 1.2.8.

Psalm 36 – im Wechsel (EG 719) (Lina und Ulrike Berger)

Kollektengebet:
Ich bete:
Gott, du Schöpfer des Himmels und der Erde
Danke für diesen Tag
Danke für die Wunder deiner Schöpfung,
die uns den Alltag vergessen lassen;
danke für dieses Stückchen Erde,
das uns Erholung und neue Kräfte schenkt.
Segne unser Tun und Lassen
Amen.

Lesung: Matthäus 6, 26. 28-30 (Heide Zimmermann)

Sommerpsalm

Kurzauslegung zum Lied Geh aus mein Herz und suche Freud – (Beate Kempf-Beyrich)
Wenn ich in diesen Tagen durch meinen Pfarrgarten gehe, geht mir das Herz auf: Die Blumen wetteifern um die schönsten Farben, die Zweige der Beerensträucher hängen schwer herunter, weil sie ihre Früchte kaum noch tragen können und  Düfte von Kräutern und Lavendel umgeben mich. Kann es im Sommer etwas Schöneres geben, als durch den Garten zu gehen und die Schönheiten der Natur zu bewundern? Paul Gerhardts wunderbares Lied: „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben“ nimmt uns auf einen Spaziergang durch Gottes  faszinierenden Garten mit. Er fordert uns auf: „Schau an der schönen Gärten Zier und zählt dann auf, was alles zu sehen ist: die Schönheit von Bäumen und Blumen, Vögel aller Arten, Schafe und  Bienen, Weizen und Wein.
Verbunden mit der leichten fröhlichen Melodie, die erst 300 Jahre später dazu kam, wirkt das Lied fast zu heil und schön.
Doch ein kitschiges Naturgedicht wollte Paul Gerhardt nicht schreiben, dazu hatte er schon zu viel Leid und Elend auf der Welt gesehen
Als er sein Loblied 1653 schreibt, sind die Schrecken des 30jährigen Krieges gerade einmal fünf Jahre vorbei. Die Menschen können wieder herausgehen – aus sich selbst und übers Land. In den Köpfen und in den Herzen der Menschen jedoch sind die Vergewaltigungen, die Pest, der Krieg noch gegenwärtig. Paul Gerhardt besingt nun nicht die Schrecken des Krieges, sie kommen nicht vor, mit keinem einzigen Wort! Er lobt eine intakte Natur. Und: das Glück, wieder rausgehn zu können, sich nicht mehr verstecken zu müssen – vor mordenden und vergewaltigenden Soldaten. Das aber haben seine Hörerinnen und Hörer damals mitgehört.
Paul Gerhardt versucht sich und seine Zuhörer zu einem Neuanfang zu ermutigen – schaut hin, trotz allem geht es weiter, die Natur blüht wieder, Gott will, dass wir leben und die Schöpfung, die so gut geschaffen ist bewahren und nicht weiter zerstören.
Und Paul Gerhardt bleibt nicht beim irdischen Garten stehen, sondern öffnet für einen Moment die Gartenpforte zu einem anderen Garten, dem himmlischen Garten, den wir irgendwann noch schöner erleben werden: „Welch hohe Lust, welch heller Schein, wird wohl in Christi Garten sein?
Er weiß aber, dass das erstmal nur ein Traum ist. Auf der Erde haben wir ja auch genug in unseren Gärten zu tun, aber damit uns das gelingt brauchen wir Gottes Segen von oben, der unseren Garten und uns selbst zum Blühen bringen kann. Deshalb gilt auch für uns im Coronasommer: „Geh aus mein Herz und suche Freud“ vielleicht nicht an Orten, die wir ursprünglich geplant hatten, aber rechts und links von unseren alltäglichen Wegen. Die Urlaubszeit gibt uns Zeit und Gelegenheit genauer auf unseren Lebensgarten zu schauen und manchmal kommt dann etwas zum Blühen, das wir gar nicht erwartet hätten. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Sommerzeit. Amen.

Lied: Geh aus mein Herz 503, 13 und 14

Fürbitten (Familie Dombrowski)
Lasst uns beten
Du Gott des Aufbruchs, stärke mich,
wenn dein Geist mich bewegt,
wenn ich dein Rufen höre,
ich aufbreche zur Mitte
Du Gott des Aufbruchs, begleite mich,
wenn ich festgefahrene Pfade verlasse,
wenn ich eine neue Richtung einschlage,
ich auf dem Weg bin zu mir.

Du Gott des Aufbruchs,
sei mir ein Licht auf meinem Weg,
wenn beim Gehen die Angst mich befällt,
wenn mein Schritt ins Stolpern gerät,
ich mich im Raum verliere

Du Gott des Aufbruchs, wende dich zu mir und beschütze mich,
wenn ich neue Schritte wage,
wenn ich neue Bewegungen versuche,
wenn ich neue Orte und Menschen kennenlerne
mit Dir gemeinsam kann ich aufbrechen. Amen.

Gemeinsam lesen:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen (Beate Kempf-Beyrich)
So stellen wir uns unter einen Reisesegen aus dem 17. Jahrhundert:
Sende uns deine Engel, Gott,
dass sie uns geleiten auf unseren Wegen
und uns gesund, sicher und froh
wieder nach Hause führen.
Amen.

Nachspiel

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